Wie Abschirmlackbeschichten auf Kunststoffteilen funktioniert
Abschirmlackbeschichten ist ein technisches Beschichtungsverfahren für Kunststoffbauteile. Der eingesetzte Lack enthält je nach System funktionelle Bestandteile, die eine leitfähige oder abschirmende Schicht auf der Oberfläche bilden. Dadurch kann ein Kunststoffteil eine zusätzliche Schutzfunktion gegen elektromagnetische Störeinflüsse übernehmen, ohne dass das gesamte Bauteil aus Metall gefertigt werden muss. Neben dem Lack selbst sind die Oberflächenvorbereitung, die Schichtkontinuität und die definierte Anbindung an relevante Kontaktstellen für das Ergebnis wesentlich.
Typische Einsatzbereiche für abschirmend beschichtete Kunststoffbauteile
Das Verfahren wird vor allem bei technischen Kunststoffteilen mit Elektronikbezug eingesetzt. Dazu zählen Gehäuse von Geräten, Abdeckungen, Innenkomponenten, Sensorgehäuse oder Formteile im Apparate- und Anlagenbau. Abschirmlackbeschichten ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Kunststoff aus konstruktiven, gewichtsbezogenen oder fertigungstechnischen Gründen vorgesehen ist, zugleich aber eine zusätzliche Abschirmwirkung gefordert wird. Häufig betrifft dies Bauteile, bei denen Einbauten, Leiterplatten oder empfindliche Signalbereiche vor äusseren Störfeldern geschützt werden sollen.
Ausführungen, Schichtaufbau und prozessrelevante Punkte
Abschirmlacke können vollflächig oder nur in funktional definierten Zonen aufgebracht werden, etwa auf der Innenseite eines Gehäuses oder auf einzelnen Abschirmbereichen. Je nach Kunststoff, Geometrie und Anforderung kann eine Vorbehandlung der Oberfläche nötig sein, damit der Lack sicher haftet. In der Praxis sind ausserdem Schichtdicke, Kantenabdeckung, Aussparungen für nicht zu beschichtende Bereiche und die spätere elektrische Kontaktierung zu berücksichtigen. Ob ein einlagiger oder mehrstufiger Aufbau geeignet ist, hängt vom Bauteil, vom eingesetzten Lacksystem und von der geforderten Funktion ab.
Abgrenzung zu EMV-Beschichtungen und anderen Beschichtungsverfahren
Innerhalb der Beschichtungsverfahren mit Kunststoffen bezeichnet Abschirmlackbeschichten die gezielte Applikation eines abschirmenden Lacks auf ein Bauteil. Von EMV-Beschichtungen unterscheidet sich die Leistung durch den engeren Fokus auf das Lacksystem und den konkreten Beschichtungsprozess; EMV-Beschichtungen können als übergeordnete Funktionskategorie auch andere Material- und Verfahrenswege umfassen. Gegenüber Lackieren und Spritzen mit dekorativer oder schutzorientierter Zielsetzung steht hier die elektrische Abschirmfunktion im Vordergrund. Antihaftbeschichtungen, Verschleissschutz oder Trockenschmierungsbeschichtungen verfolgen dagegen andere technische Zwecke und werden nach anderen Funktionsanforderungen ausgelegt.