Abscheidung aus der Gasphase auf Kunststoffoberflächen
Bei Parylene-Beschichtungen wird das Beschichtungsmaterial nicht als Lack, Pulver oder Schmelze aufgetragen, sondern im Vakuum in gasförmiger Form auf dem Bauteil abgeschieden und dort polymerisiert. Dadurch entsteht eine sehr dünne, geschlossene und konturtreue Schicht, die auch komplexe Geometrien, Kanten und feine Strukturen gleichmässig umhüllen kann. Für Kunststoffbauteile ist das Verfahren vor allem dann relevant, wenn die Funktion der Oberfläche nicht durch dicke Schichtaufbauten oder ungleichmässige Bedeckung beeinträchtigt werden soll.
Typische Einsatzbereiche bei empfindlichen und komplexen Bauteilen
Parylene wird bei Kunststoffteilen eingesetzt, die gegenüber Feuchtigkeit, chemischen Medien oder elektrischen Einflüssen geschützt werden sollen. Typische Anwendungsfelder sind Bauteile mit engen Toleranzen, kleinen Zwischenräumen, feinen Strukturen oder innenliegenden Bereichen, die mit klassischen Flüssig- oder Pulverbeschichtungen nur eingeschränkt erreichbar sind. Das betrifft unter anderem Komponenten in Elektronik, Sensorik, Medizintechnik, Mikromechanik oder technischen Kunststoffbaugruppen.
Schichtauslegung, Materialverträglichkeit und Teilmaskierung
Die Ausführung einer Parylene-Beschichtung richtet sich nach Bauteilgeometrie, Substrat, gewünschter Schichtdicke und der geforderten Schutzfunktion. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Parylene-Typen und Schichtstärken in Betracht. Bei Kunststoffteilen ist zudem zu prüfen, wie gut die Schicht auf dem jeweiligen Material haftet und ob vorbereitende Prozessschritte nötig sind. Wenn bestimmte Kontakt- oder Funktionsflächen frei bleiben müssen, lassen sich Bereiche vor der Beschichtung maskieren.
Abgrenzung zu Nass-, Pulver- und Funktionsbeschichtungen
Innerhalb der Kunststoffbeschichtungen unterscheidet sich Parylene deutlich von Nassbeschichten, Lackieren und Spritzen, Tauchen oder elektrostatischer Pulverbeschichtung. Diese Verfahren arbeiten mit flüssigen oder festen Beschichtungsmedien und sind in ihrer Schichtverteilung stärker von Geometrie, Kantenverlauf und Zugänglichkeit abhängig. Parylene ist dagegen ein Gasphasenverfahren für sehr dünne, funktionale Schichten. Von EMV-Beschichtungen oder Abschirmlackbeschichtungen grenzt es sich dadurch ab, dass nicht die elektromagnetische Abschirmung im Vordergrund steht. Gegenüber Antihaft- oder Verschleissschutzbeschichtungen ist Parylene meist dann passend, wenn eine gleichmässige Barriereschicht oder elektrische Isolation auf komplexen Kunststoffteilen verlangt wird.