Ablauf des chemischen Metallisierens auf Kunststoff
Chemisches Metallisieren basiert auf einer chemischen Abscheidung aus einem Bad, nicht auf elektrischem Strom wie beim galvanischen Aufbau. Damit die Metallisierung auf Kunststoff haftet, wird die Oberfläche zuerst gereinigt, je nach Werkstoff vorbehandelt und anschliessend aktiviert. Erst danach kann sich eine dünne, zusammenhängende Metallschicht auf dem Bauteil bilden. Das Verfahren eignet sich besonders dort, wo nichtleitende Kunststoffe zunächst metallfähig gemacht werden müssen.
Typische Einsatzfälle für funktionale Kunststoffoberflächen
Chemisch metallisierte Kunststoffteile werden eingesetzt, wenn neben dem Grundwerkstoff zusätzliche Oberflächeneigenschaften verlangt sind. Dazu zählen etwa elektrische Leitfähigkeit, elektromagnetische Abschirmung oder eine definierte metallische Basis für weitere Beschichtungen. Das Verfahren kommt deshalb vor allem bei technischen Kunststoffteilen in Frage, weniger bei reinen dekorativen Veredelungen. Ob eine chemische Metallisierung als Endschicht genügt, hängt von Bauteil, Einsatzumgebung und geforderter Funktion ab.
Schichtaufbau, Teilmetallisierung und Kombinationen
Chemisches Metallisieren kann als sehr dünne Funktionsschicht oder als Startschicht für nachfolgende Prozesse ausgeführt werden. In vielen Anwendungen dient die chemisch abgeschiedene Metallschicht als leitfähige Grundlage, auf der später galvanisch weiter aufgebaut wird. Je nach Prozessführung sind vollflächige Metallisierungen oder auf bestimmte Zonen begrenzte Beschichtungen möglich. Relevante Unterschiede ergeben sich zudem aus dem eingesetzten Kunststoff, der Bauteilgeometrie und den Anforderungen an Haftung, Gleichmässigkeit und Nachbehandlung.
Abgrenzung zu Galvanisieren, Hochvakuum und Vorbehandlung
Innerhalb der Kunststoffveredelung gehört chemisches Metallisieren zur Oberflächenveredelung und nicht zur reinen Vorbehandlung. Es ist von Leistungen wie Aktivieren und Vorbehandeln der Oberfläche abzugrenzen, weil diese Schritte zwar Voraussetzung sein können, aber noch keine eigentliche Metallisierung erzeugen. Gegenüber dem galvanischen Metallisieren unterscheidet sich das Verfahren durch die stromlose Abscheidung; galvanische Prozesse bauen häufig auf einer bereits leitfähigen oder zuvor chemisch metallisierten Oberfläche auf. Vom Metallisieren im Hochvakuum grenzt es sich durch das Abscheideprinzip ab: Dort wird Metall physikalisch im Vakuum aufgebracht, hier chemisch aus einer Lösung.