Was bei Rissprüfungen untersucht wird
Im Zentrum stehen lineare Fehlstellen wie Risse, Anrisse oder aufreissende Zonen, die die Gebrauchstauglichkeit oder Weiterverarbeitung eines Bauteils beeinträchtigen können. Je nach Prüfverfahren lassen sich offene Oberflächenrisse oder oberflächennahe Fehlerlagen erfassen. Aussagekraft und Nachweisgrenze hängen unter anderem vom Werkstoff, vom Oberflächenzustand, von der Bauteilgeometrie und von der Zugänglichkeit der Prüfflächen ab.
Typische Prüfobjekte in der Metallverarbeitung
Rissprüfungen werden an Schweissnähten, Gussteilen, Schmiedeteilen, Blechteilen, zerspanten Werkstücken und sicherheitsrelevanten Funktionsteilen eingesetzt. Häufige Anwendungsfälle sind die Prüfung nach dem Schweissen, nach thermischen Prozessen, nach Umformschritten oder im Rahmen der Wareneingangs- und Endkontrolle. Auch bei Schadensanalysen werden Rissprüfungen eingesetzt, wenn geklärt werden soll, ob eine sichtbare oder vermutete Fehlstelle bereits vor dem Einsatz vorhanden war.
Gängige Verfahren je nach Werkstoff und Fehlerlage
Für die Rissprüfung kommen je nach Material und Prüfziel unterschiedliche Verfahren in Frage. Bei nicht porösen Oberflächen wird häufig die Farbeindringprüfung eingesetzt, um zur Oberfläche offene Risse sichtbar zu machen. Bei ferromagnetischen Werkstoffen kann die Magnetpulverprüfung geeignet sein, insbesondere für Oberflächen- und oberflächennahe Fehlstellen. Die Verfahrenswahl richtet sich nach Werkstoffgruppe, Oberflächenbeschaffenheit, Bauteilform, Beschichtungssituation und danach, ob nur offene oder auch nahe unter der Oberfläche liegende Risse relevant sind.
Abgrenzung zu anderen Prüfverfahren
Rissprüfungen sind innerhalb von Messen und Prüfen klar von Verfahren zu unterscheiden, die andere Fragestellungen bearbeiten. Härteprüfungen und Festigkeitsprüfungen bewerten Materialeigenschaften, nicht konkrete Fehlstellen. Röntgenprüfungen und Ultraschallprüfungen erfassen auch innere Unregelmässigkeiten und eignen sich je nach Bauteil für andere Fehlerbilder als die klassische Oberflächenrisssuche. Chemische Analysen oder metallurgische Prüfverfahren klären Zusammensetzung und Gefüge, während Rissprüfungen direkt auf die Fehlstellendetektion ausgerichtet sind.