Elektrochemische Oxidation statt Metallauftrag
Beim Anodisieren von Titan wächst unter elektrischer Spannung eine Oxidschicht auf der vorhandenen Metalloberfläche. Anders als bei galvanischen Beschichtungen wie Verzinken, Vergolden oder Hartvernickeln wird dabei kein fremdes Metall abgeschieden. Die Schichtbildung beeinflusst unter anderem das optische Erscheinungsbild und kann die Oberfläche für bestimmte funktionale Anforderungen anpassen. Das Ergebnis hängt stark von Werkstoff, Vorbehandlung, Badchemie und Prozessführung ab.
Einsatz an Bauteilen mit Kennzeichnungs- oder Funktionsanforderungen
Titan wird anodisiert, wenn Bauteile farblich unterschieden, markiert oder oberflächlich definiert werden sollen, ohne das Grundmaterial zu verdecken. Typische Anwendungen finden sich bei technischen Präzisionsteilen, medizintechnischen Komponenten, Bauteilen im Apparatebau sowie bei sichtbaren Titanoberflächen. Auch bei kleinen Serien oder Einzelteilen ist das Verfahren relevant, wenn reproduzierbare Farb- oder Oberflächenzustände verlangt werden. Die konkrete Eignung richtet sich nach Geometrie, Legierung und dem späteren Einsatzumfeld.
Farbwirkung, Schichtzustand und Prozessvarianten
Ein bekanntes Merkmal des Titananodisierens sind Interferenzfarben, die durch die Dicke der Oxidschicht entstehen. Je nach Prozessführung können natürliche Farbtöne ohne Lack oder metallische Überzüge erzeugt werden. Neben dekorativen Anwendungen wird das Verfahren auch zur Identifikation von Teilen oder Grössen eingesetzt. Vorbehandlung, Reinigung und ein gleichmässiger elektrischer Kontakt sind dabei entscheidend, da bereits geringe Oberflächenunterschiede das Erscheinungsbild beeinflussen können.
Abgrenzung zu Aluminium, Elektropolieren und Beschichtungen
Das Anodisieren von Titan ist von anderen Oberflächenbehandlungen klar zu unterscheiden. Im Unterschied zu Aluminiumanodisation stehen bei Titan häufig Farbgebung, Kennzeichnung und die gezielte Veränderung der Oxidschicht im Vordergrund. Gegenüber dem Elektropolieren wird die Oberfläche nicht primär geglättet, sondern elektrochemisch oxidiert. Im Vergleich zu Verfahren wie Verchromen, Vergolden oder Verzinken entsteht keine aufgebrachte Deckschicht aus einem anderen Metall, sondern eine modifizierte Titanoberfläche.