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Globaler Holzboom: Hilft er dem Schweizer Holz aus der Krise?

«Holzmangel – Lieferengpässe treiben Schreinereien in die Kurzarbeit»: so und ähnlich tönten die Schlagzeilen im Frühjahr 2021. Erhöhte Nachfrage, Preisexplosion und kollabierende Lieferketten im weltweiten Holzhandel. Wie kam es dazu und welche Folgen hat dies für die Schweizer Holzwirtschaft?
  • Schweizer Holz wäre reichlich vorhanden, wird aber nicht genutzt. Kann es vom globalen Holzboom profitieren?

    Schweizer Holz wäre reichlich vorhanden, wird aber nicht genutzt. Kann es vom globalen Holzboom profitieren? @Markus Spiske

    Amerika und Asien kaufen den europäischen Markt leer

    Das Bauen mit Holz boomt. Insbesondere in Asien und den USA sind Holzbauwerke im Trend. Dies bleibt nicht ohne Folgen für den europäischen Holzmarkt. Holzkäufer aus den Vereinigten Staaten erwarben ihr Holz traditionell beim nördlichen Nachbarn Kanada. Da die kanadischen Wälder aber mit dem Borkenkäfer zu kämpfen haben und die USA zusätzlich Strafzölle auf kanadisches Holz erheben, wenden sich nun viele nordamerikanische Nachfrager dem europäischen Markt zu. Die asiatischen Bauherren tun es ihnen gleich.

    Begleitet wird dieser Nachfrageanstieg von einem temporären Rückgang beim Angebot. Wie in vielen anderen Branchen wurde auch in der Holzindustrie die Produktion während der Coronakrise zurückgefahren. Zudem stellten sich Probleme in der internationalen Logistik ein. Logische Folge dieser Verknappung ist ein drastischer Preisanstieg für den Rohstoff, Halbfabrikate und Produkte aus Holz. Besonders betroffen sind Leimholz, Schnittholz, Massivholz und Konstruktionsholz. Die Produzenten verkaufen ihre Fabrikate nun an die meistbietenden Käufer – alle anderen Kunden müssen sich hinten anstellen. So warten auch hierzulande Holzverarbeiter und Bauunternehmen auf ihre Holzlieferungen aus dem Ausland. Die Schweizer Importpreise sind seit Anfang 2020 stark erhöht und von Januar bis April 2021 noch einmal um bis zu 60 Prozent angestiegen.

    Schweizer Holz: Vorhanden, nur nicht genutzt

    Beim momentanen Holzmangel handelt es sich um ein globales Problem. Auch die Schweiz ist von weltumspannenden Lieferketten abhängig. Ein Blick auf Satellitenbilder unseres Landes wirft allerdings eine Frage auf: wieso eigentlich? Fast ein Drittel der Schweiz ist mit Wald bewachsen. Trotzdem werden 60 bis 80 Prozent aller in der Schweiz gekauften Holzprodukte importiert. Gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit und die Unabhängigkeit der Schweiz von krisenanfälligen globalen Lieferketten wäre die Nutzung des eigenen Holzes durchaus sinnvoll.

    Der Hauptgrund dafür, dass Schweizer Holz den inländischen Markt nicht versorgen kann, ist wirtschaftlicher Natur. Nach wie vor ist die Ernte von Schweizer Holz nicht rentabel. Einerseits sind die topografischen Verhältnisse gerade im Alpenraum für rationelles Holzen nicht ideal. Andererseits wird der Wald nicht nur für die Produktion von Holz genutzt, sondern dient vielerorts als natürlicher Schutz vor Erosion, Lawinen, Erdrutschen und anderen Naturgefahren. Auch die Erhaltung der Biodiversität spielt in der Waldbewirtschaftung eine wichtige Rolle. Daher kommt es, dass die Rodung von Wald in der Schweiz – von Ausnahmen abgesehen – verboten ist. Bäume werden meist einzeln gefällt und aus dem Wald transportiert, was erhebliche Kosten verursacht. Gleichzeitig sind die Verkaufspreise für Schweizer Holz niedrig. Waldbesitzer haben geringes Interesse daran, exzessiv in der Holzwirtschaft mitzumischen, denn es lohnt sich schlichtweg nicht.

    Das Schweizer Holz, das dennoch auf den Markt gelangt, steht an einem weiteren Nadelöhr an. Es gibt nicht genügend Sägereien, die das Stammholz zu nutzbaren Stücken weiterverarbeiten. Sägereibetriebe berichten, dass insbesondere in den Bereichen Lagerung, Trocknung und Weiterverarbeitung die Kapazitätsgrenzen erreicht seien.

    Setzt der Boom die Schweizer Holzproduktion in Gang?

    Während die Importpreise für Holz momentan sehr hoch sind, hat sich an den Schweizer Rundholzpreisen nicht viel geändert. Seit 2015 sind sie gar um 40 Prozent gesunken. Im Zuge des globalen Holzbooms könnte sich die Situation für Waldbesitzer und Säger nun aber verbessern. Da der Markt nach Nachschub lechzt, haben erste Sägereien ihre Preise leicht angehoben. Auch die Verkaufspreise für den Export in die ausgehungerten Märkte unserer Nachbarländer konnten erhöht werden. Damit das Geschäft auch für die Schweizer Waldbesitzer rentabel wird, müssen die Preise allerdings bis zur Holzerntesaison im Herbst weiter steigen. Sonst droht wiederum ein Mangel an Schweizer Rohholz. Auch das Parlament befasst sich mit den Holzpreisen. In einer parlamentarischen Initiative fordert Daniel Fässler (CVP/AI) Richtpreise für Schweizer Stammholz, um so die einheimische Holzproduktion anzukurbeln.

    Mit seiner guten Ökobilanz und diversen Vorteilen am Bau drängt sich Holz auf dem Markt der Baumaterialien weiter auf. Wenn diese Nachfrage durch Schweizer Holz befriedigt werden kann, ist ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zum nachhaltigen Bauen getan – der bleibt, auch wenn der weltweite Boom zu Ende geht.