Welche Messgrössen Farbmesssysteme erfassen
Farbmesssysteme bestimmen die Farbe einer Kunststoffoberfläche oder eines transluzenten Materials unter definierten Messbedingungen. Erfasst werden je nach Gerät Farborte in standardisierten Farbräumen sowie Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Werten. Dadurch lassen sich Farbton, Helligkeit und Farbdifferenzen zwischen Mustern, Chargen oder Produktionsläufen nachvollziehbar vergleichen. Die Aussagekraft hängt dabei von Materialart, Oberflächenbeschaffenheit, Transparenz und den gewählten Messbedingungen ab.
Einsatz in Wareneingang, Labor und laufender Produktion
Typische Anwendungen liegen bei der Prüfung von Masterbatch, Rezyklat, Compound, Extrusionsware und Spritzgussteilen. Im Wareneingang wird kontrolliert, ob angeliefertes Material farblich innerhalb der vorgegebenen Toleranzen liegt. Im Labor dienen Farbmesssysteme zur Rezepturentwicklung, zum Vergleich von Referenzmustern und zur Beurteilung von Farbänderungen nach Prozessanpassungen. In der Produktion werden sie eingesetzt, um Chargenfreigaben zu stützen, Anfahrprozesse zu überwachen oder Farbabweichungen früh zu erkennen.
Geräteformen und Messanordnungen für unterschiedliche Kunststoffoberflächen
Je nach Anwendung kommen Handmessgeräte, stationäre Laborgeräte oder in Prozesse eingebundene Messsysteme zum Einsatz. Für matte, glänzende, strukturierte, opake oder transparente Kunststoffe sind unterschiedliche Messgeometrien und Probenführungen relevant. Bei Folien, Platten oder Bahnwaren kann die Messung direkt am laufenden Material oder an entnommenen Mustern erfolgen. Bei Formteilen ist zu beachten, dass Krümmungen, Oberflächenstrukturen und inhomogene Einfärbungen das Messergebnis beeinflussen können.
Abgrenzung zu verwandter Mess- und Prüftechnik
Farbmesssysteme gehören innerhalb der Messtechnik und Prüftechnik zur quantitativen Beurteilung von Farbe. Sie unterscheiden sich von optischen Messmaschinen, die vor allem Geometrie und Masse erfassen, sowie von Oberflächen-Inspektionsgeräten, die Defekte wie Kratzer, Einschlüsse oder Schlieren erkennen. Gegenüber Lichtechtheitsprüfgeräten und Wetterechtheitsprüfgeräten messen Farbmesssysteme nicht die Alterungsbeständigkeit selbst, sondern den aktuellen Farbzustand oder dessen Veränderung. Infrarot-Systeme wiederum dienen in der Regel anderen material- oder prozessbezogenen Messaufgaben als der eigentlichen Farbbewertung.