Prüfaufgaben bei Kunststoffen und Compounds
Materialprüfgeräte erfassen Eigenschaften, die das Verhalten eines Kunststoffs im Einsatz oder in der Verarbeitung beschreiben. Dazu zählen je nach Gerät und Prüfverfahren etwa Festigkeit, Dehnung, Biegeverhalten, Schlagbeanspruchung, Erweichungsverhalten oder das Verhalten unter Temperatur- und Lastbedingungen. Geprüft werden nicht nur Neumaterialien, sondern auch Rezyklate, gefüllte Compounds, Folien, Platten, Rohre und spritzgegossene Prüfkörper. Die Geräte liefern Messwerte, mit denen Chargen verglichen, Abweichungen erkannt und Werkstoffänderungen nachvollzogen werden können.
Einsatz in Labor, Produktion und Wareneingang
Typische Anwendungen liegen im Wareneingang, in der laufenden Qualitätssicherung, in der Produktentwicklung und in der Reklamations- oder Schadensanalyse. Im Wareneingang wird geprüft, ob ein angelieferter Werkstoff die geforderten Eigenschaften einhält. In der Produktion dienen Prüfungen dazu, Materialschwankungen oder Einflüsse aus Trocknung, Verarbeitung und Rezeptur früh zu erkennen. Entwicklungsabteilungen nutzen Materialprüfgeräte, um Werkstoffe, Additive oder Faseranteile gezielt zu vergleichen.
Gerätearten und typische Prüfverfahren
Unter Materialprüfgeräte fallen in der Kunststofftechnik verschiedene Gerätegruppen mit unterschiedlichem Prüfprinzip. Dazu gehören beispielsweise Universalprüfmaschinen für Zug-, Druck- und Biegeprüfungen, Schlagprüfgeräte, Geräte zur Bestimmung von Wärmeformbeständigkeit oder Erweichung sowie Systeme für Abrieb- oder Reibprüfungen. Welche Ausführung geeignet ist, hängt von Probeform, Prüfparameter, gewünschtem Kennwert und notwendiger Reproduzierbarkeit ab. Für bestimmte Einzelkennwerte werden oft spezialisierte Geräte eingesetzt, etwa für Härte oder Schmelzindex.
Abgrenzung zu Prozessmesstechnik und Spezialgeräten
Innerhalb der Hierarchie gehört diese Leistung zur Messtechnik und Prüftechnik, bezieht sich aber auf die Prüfung von Werkstoffen oder Prüfkörpern und nicht auf die laufende Erfassung von Prozesszuständen. Druckaufnehmer, Durchflussmessgeräte oder Pyrometer messen Betriebsgrössen an Maschinen und Anlagen, während Materialprüfgeräte das Verhalten des Kunststoffs selbst bewerten. Von Geschwisterleistungen wie Härteprüfgeräten, Dichte-Messgeräten oder Melt-Index-Prüfgeräten unterscheidet sich die Kategorie dadurch, dass sie materialbezogene Prüfgeräte breiter zusammenfasst. Wenn ein Prüfziel klar auf einen einzelnen Kennwert ausgerichtet ist, wird die Einordnung oft bei der jeweiligen Spezialgeräteklasse präziser.