Berührungslose Temperaturmessung an Kunststoffoberflächen
Ein Pyrometer misst in der Regel die Oberflächentemperatur eines Objekts, ohne es zu berühren. Das ist in Prozessen mit bewegten Teilen, empfindlichen Oberflächen oder kurzen Taktzeiten von Vorteil. Bei Kunststoffen ist die Messaufgabe anspruchsvoll, weil Farbe, Glanz, Transparenz und Oberflächenbeschaffenheit das Strahlungsverhalten beeinflussen. Deshalb müssen Messfleck, Emissionsgrad und die Eignung für das jeweilige Material aufeinander abgestimmt sein.
Typische Anwendungen in Extrusion, Folien- und Formteilprozessen
Pyrometer werden in der Kunststoffbranche unter anderem zur Temperaturkontrolle von Extrudaten, Folienbahnen, Platten, Profilen oder vorgewärmten Halbzeugen eingesetzt. Auch bei Thermoformprozessen, an Preforms oder an heissen Werkzeugbereichen kommen sie zum Einsatz, sofern eine berührungslose Messung sinnvoll ist. Sie dienen dabei der Prozessbeobachtung, der Regelungsunterstützung oder der Qualitätskontrolle. Besonders geeignet sind sie für kontinuierliche Prozesse und für Messstellen, an denen Kontaktsensoren das Produkt beeinflussen würden.
Geräteausführungen und Auswahlkriterien
Pyrometer sind als stationäre Sensoren für den Anlageneinbau oder als mobile Handgeräte erhältlich. Je nach Messaufgabe unterscheiden sie sich unter anderem bei Messbereich, Ansprechzeit, Optik, Messfleckgrösse und Schnittstellen. Für Kunststoffanwendungen ist die Auswahl der spektralen Ausführung besonders relevant, weil nicht jedes Material in jedem Wellenlängenbereich gleich gut messbar ist. Zusätzlich sind Einbausituation, Umgebungsbedingungen und die erforderliche Messdynamik zu berücksichtigen.
Abgrenzung zu Thermometern, Thermoelementen und Infrarot-Systemen
Innerhalb der Messtechnik und Prüftechnik stehen Pyrometer für die berührungslose Temperaturmessung an einer definierten Messstelle oder Fläche. Thermometer und Thermoelemente erfassen Temperaturen dagegen typischerweise kontaktierend oder fest eingebaut im Prozess. Der Begriff Infrarot ist breiter und kann auch Strahler, Kameras oder andere IR-basierte Systeme umfassen, die nicht primär als Pyrometer ausgeführt sind. Pyrometer unterscheiden sich damit von allgemeiner Temperaturmesstechnik durch ihren berührungslosen, strahlungsbasierten Ansatz.