Funktion von Reinigungscompounds in Verarbeitungsanlagen
Reinigungscompounds werden nicht als Bestandteil des Endprodukts eingesetzt, sondern als temporäres Prozessmaterial zur Anlagenreinigung. Während des Durchlaufs lösen, verdrängen oder transportieren sie Ablagerungen aus dem Schmelzefluss. Ziel ist eine kontrollierte Reinigung der materialführenden Bereiche, um Restmaterial zu reduzieren und den Wechsel auf ein neues Produkt oder eine neue Farbe vorzubereiten.
Typische Einsatzsituationen in Spritzguss, Extrusion und verwandten Prozessen
Der Einsatz ist vor allem dort sinnvoll, wo Produktwechsel regelmässig stattfinden oder Rückstände die Prozessstabilität beeinträchtigen. In Spritzgussanlagen betrifft dies unter anderem Zylinder, Düsen und Heisskanalsysteme. In Extrusionslinien werden Reinigungscompounds bei Wechseln von Material, Farbe oder Rezeptur sowie bei Ablagerungen in Schnecke, Zylinder und Werkzeug genutzt. Auch nach Stillständen oder vor dem Abfahren einer Anlage können sie eingesetzt werden.
Unterschiede nach Temperaturbereich, Materialsystem und Reinigungsmechanismus
Reinigungscompounds unterscheiden sich je nach vorgesehenem Verarbeitungstemperaturbereich, dem zu reinigenden Polymersystem und der Bauart der Anlage. Einige Produkte sind für häufige Material- und Farbwechsel ausgelegt, andere für hartnäckige Ablagerungen oder thermisch geschädigte Rückstände. Relevant ist ausserdem, ob ein Compound für offene Systeme, Heisskanäle oder kontinuierliche Prozesse geeignet ist. Die Auswahl richtet sich daher nach Maschine, Prozessfenster und Art der Verunreinigung.
Abgrenzung zu Compounds, Masterbatches und Verarbeitungshilfen
Im Unterschied zu Compounds werden Reinigungscompounds nicht zur Herstellung eines Bauteils mit definierten Materialeigenschaften verwendet. Gegenüber Masterbatches dienen sie nicht der Dosierung von Farbe oder Additiven in der laufenden Produktion. Von Verarbeitungshilfen und Formtrennmitteln unterscheiden sie sich dadurch, dass ihr Zweck die Reinigung des Aggregats ist und nicht die Optimierung des Formgebungsprozesses oder der Entformung. Innerhalb der Hierarchie "nach Form und Funktion" sind sie daher als funktionsbezogene Hilfsmaterialien für den Anlagenbetrieb einzuordnen.